Was sind und was bringen Nachhaltigkeitsberichte?

(Bildquellen: veroji/Fotolia, Stockphoto.com/LiseGagne)

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Wer in Google den Begriff „Nachhaltigkeitsbericht“ (englisch: Sustainability Report) eingibt, stößt auf jede Menge Beispiele – allerdings fast ausschließlich von großen, globalen Konzernen. Sind Nachhaltigkeitsberichte also lediglich teure, zeitgeistige Imagekampagnen renditestarker Großunternehmen? Studien widerlegen diese Vermutung.

Sie zeigen vielmehr, dass Nachhaltigkeitsberichte einen handfesten Wettbewerbsvorteil bieten. Ein Nachhaltigkeitsreporting kann sogar bei kleineren Unternehmen Kosten dämpfen. Unabhängig von der Unternehmensgröße ist ein Nachhaltigkeitsbericht vor allem für Unternehmen sinnvoll, die überregional agieren oder ihre Geschäfte ohne persönliche Kundenkontakte – z.B. über den Versandhandel – abwickeln sowie Firmen mit Schwerpunkt Ökologie oder Lifestyle und Unternehmen in öffentlichkeitskritischen Branchen.

Nicht nur eine Frage der Moral

Es gilt aber auch: Bevor ein Unternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen kann, muss es nachhaltig wirtschaften. Leider wurde der Begriff Nachhaltigkeit durch ideologische Debatten der politischen Parteien in den letzten beiden Jahrzehnten derart hoch aufgehängt, dass vor allem kleine und mittlere Unternehmen befürchten, Nachhaltigkeit sei für sie unbezahlbar und im Grunde genommen, der moralisch verbrämte Versuch, ihre wirtschaftliche Freiheit einzuengen. Der Essener Nachhaltigkeitsexperte, Wirtschaftsethiker und Prorektor der FOM Hochschule für Ökonomie, Prof. Dr. Stefan Heinemann sieht allerdings einen ganz anderen Zusammenhang zwischen moralischem Handeln und wirtschaftlichem Erfolg: „Ich denke, dass es nur eine Vernunft gibt und dass deshalb das, was moralisch ist, auch zum ökonomischen Erfolg führt – und wenn es manchmal dauert.“

Definition Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit bedeutet, Ressourcen jeglicher Art so zu nutzen, dass ihre Verfügbarkeit jederzeit und auf Dauer erhalten bleibt. Die wichtigsten innerbetrieblichen Ressourcen im Sinne dieser Definition sind Rohstoffe und Vorprodukte, Produktionswerkzeuge und Energie sowie Personalressourcen. Im erweiterten Sinne zählt sogar das Unternehmen selbst zu den Unternehmensressourcen, ohne dessen nachhaltige Existenz keine unternehmerische Nachhaltigkeit denkbar ist. In der Außenbeziehung zählt eine gesunde und intakte Umwelt ebenso zu den zu schonenden Ressourcen, wie gesellschaftliche Faktoren, darunter ein effizientes Bildungswesen und der soziale Frieden. Wie unabdingbar gerade die beiden letztgenannten Faktoren für eine nachhaltig prosperierende Wirtschaft sind, zeigt sich in vielen Krisenländern. Nachhaltigkeit muss außerdem selbst nachhaltig sein, „sonst handelt es sich um keine echte Nachhaltigkeit, sondern um einen Selbstwiderspruch“. (Prof. Dr. Stefan Heinemann, FOM).

Einen positiven Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit im Unternehmen und einem größeren wirtschaftlichen Erfolg bestätigen auch mehrere internationale Studien, darunter die Studie Best Practices bei SD-KPIs der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte und die Studie The ROI of Sustainability: Making the Business Case der Aberdeen-Group von 2011. Der vielleicht überzeugendste praktische Beweis ist allerdings das deutlich gestiegene Interesse sowohl privater als auch institutioneller Investoren an nachhaltig wirtschaftenden Firmen, wie die 2011 veröffentlichte Studie über Nachhaltigkeitsberichterstattung in mittelständischen Unternehmen des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) zeigt.

Traditionell nachhaltig

Tatsache ist, dass fast ausschließlich große Unternehmen mithilfe von Berichten über ihre Verdienste um die Nachhaltigkeit reden, während in der Praxis vor allem kleine und mittlere Betriebe – darunter die meisten Familienunternehmen – ganz konkrete Nachhaltigkeit praktizieren, indem sie alte Kaufmannstraditionen pflegen. Heinemann: „Die Praxis zeigt, dass die meisten Konzerne Nachhaltigkeit im Unternehmen erst installieren müssen, während viele mittelständische Betriebe traditionell nachhaltig und ethisch handeln.“ Manche Kleinbetriebe seien „sogar geradezu pikiert, wenn man sie auf Nachhaltigkeit anspricht“, denn man arbeite ja „schon immer anständig“. Allerdings übe sich der Mittelstand oft im Gegensatz zu Großbetrieben in Bescheidenheit, „frei nach dem Motto: Tue Gutes und sprich nicht darüber“.

Der Sinn eines Nachhaltigkeitsberichts werde im Mittelstand allerdings noch zu wenig verstanden, bedauert Wirtschaftsethiker Heinemann: „Nur die wenigsten Mittelständler erkennen im Nachhaltigkeitsbericht ein Managementinstrument, aus dem man für viele betriebliche Teilfunktionen und Zielsysteme Nützliches ableiten kann.“

Die Wurzeln des Nachhaltigkeitsberichts

Dieses mangelnde Verständnis erklärt sich u. a. aus der Historie des Nachhaltigkeitsberichts. Er ist der Nachfolger des Umweltberichts, der in den 90er Jahren zuerst von kleinen, alternativen Betrieben der Ökoszene entwickelt und gepflegt wurde, um ihrer Klientel ihr Umweltbewusstsein zu beweisen.

Mit dem Anwachsen der ökologischen Bewegung und dem damit einhergehenden Wachstum der Ökobetriebe begannen sich immer mehr Investoren für deren Umweltberichte als Entscheidungsgrundlage zu interessieren.

Ein wichtiger Schritt hin zu einem international anerkannten Reportinginstrument war daher die Gründung der Global Reporting Initiative (GRI) im Jahr 1997. Initiatoren waren die Coalition of Environmentally Responsible Economies (Ceres) und Akteure des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP). Die GRI sollte bei ihrer Gründung vor allem zwei Aufgaben erfüllen: Zum einen sollte sie die Idee propagieren, Umweltberichte um wirtschaftliche und soziale Aspekte zu ergänzen. Zum anderen sollte sie für eine Standardisierung der Berichte sorgen, denn nur vergleichbare Daten taugen als Entscheidungsgrundlage für Investoren und Anlageberater.

Gesetze, die deutschen Unternehmen vorschreiben, einen Nachhaltigkeitsbericht vorzulegen oder die den Inhalt eines solchen Berichts regeln, gibt es derzeit noch nicht. Der Gesetzgeber verankerte allerdings 2004 im Bilanzrechtsreformgesetz für große Kapitalgesellschaften eine vage Verpflichtung, in den Lagebericht auch nicht-finanzielle Leistungsindikatoren aufzunehmen (§ 298 HGB und § 315 HGB).

Warum ein Nachhaltigkeitsbericht für KMU sinnvoll ist

Der Nachhaltigkeitsbericht soll die ökologischen und sozialen Folgen der Aktivitäten eines Unternehmens beleuchten und daraus u.a. dessen langfristige ökonomische Perspektive prognostizieren. Damit ergänzt er den klassischen Geschäftsbericht nicht nur um ökologische Aspekte, sondern auch in betriebswirtschaftlicher Hinsicht.

In der Realität, so Heinemann, werden die derzeit von Großunternehmen vorgelegten Berichte der Aufgabe, betriebswirtschaftlich vergleichbare Daten zur Unternehmensnachhaltigkeit zu liefern, leider nur selten gerecht: „Die Nachhaltigkeitsberichte der großen Konzerne sind zwar häufig mit einer tollen Bildsprache und einem aufwendigen Design öffentlichkeitswirksam ausgeschmückt. Will man aber z.B. die konkrete Umweltbelastung, den Footprint, vergleichen, mangelt es oft an kompatiblen Daten.“ Deshalb, müsse man „über ein strengeres Regelwerk für Nachhaltigkeitsberichte nachdenken, das die Transparenz und Vergleichbarkeit betont“. Ein derartiges Regelwerk würde nach Meinung des Essener Ökonomen zudem den Wettbewerbsvorteil jener Unternehmen stärken, die einen Bericht vorlegen.

Ein solches Regelwerk wäre allerdings auch deshalb wünschenswert, weil viele globale Unternehmen die in ihren Berichten vollmundig verkündete Nachhaltigkeit noch immer nicht umsetzen. Das ergab ein aktueller Stresstest der Unternehmensberatung BearingPoint.

Viele Mittelständler fragen sich allerdings, ob sie einen solchen Bericht überhaupt brauchen, schließlich nehme man ja ohnehin seit eh und je Rücksicht auf das lokale Umfeld. Für Heinemann lautet die Antwort: Ja. Seine Argumente:

  • Es lohne sich, dieses Handeln einmal gebündelt darzustellen. Man erreiche dadurch einen wichtigen Kommunikationseffekt.
  • Niemand agiere hundertprozentig nachhaltig. Dann helfe die Zusammenfassung, Fehler zu erkennen und zu beseitigen.

Ist die Pro-Entscheidung einmal getroffen, stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von Aufwand und Wirkung. „Ob sich die Kosten eines Nachhaltigkeitsberichts rechnen, hängt wesentlich davon ab, ob der Bericht der Größe des Betriebs angemessen ist“, mahnt Heinemann. Ein 50-Mann-Unternehmen brauche weder einen Nachhaltigkeitsbeauftragten noch ein CSR-Management. „Da reicht es, einfach mal die betrieblichen Teilsysteme durchzugehen und sich zu überlegen, worauf man aus dem eigenen Wertesystem heraus achtet.“ Auch in kleinen Unternehmen gerate man ganz schnell ans Eingemachte, so der Experte – z.B. zur Frage: „Wie gehe ich mit Praktikanten um? Sind das für mich nur Hilfskräfte oder wertschätze ich sie als künftige Leistungsträger?“

Dass immer mehr mittelständische Unternehmer vom Nutzen sowohl der Nachhaltigkeit als auch einer öffentlichen Rechenschaft überzeugt sind, kann Jana Gebauer vom IÖW bestätigen: „Nachhaltigkeit ist in den vergangenen Jahren in vielen Unternehmen weiter ins Zentrum ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten gerückt.“ Ihr Institut erarbeitet alle zwei Jahre ein Ranking deutscher Firmen, die Nachhaltigkeitsberichte publizieren.

Qualitätsansprüche an den Nachhaltigkeitsbericht

Für sehr kleine Betriebe oder Betriebe mit starker lokaler Beschränkung – z.B. typische Handwerksbetriebe – dürfte sich ein Nachhaltigkeitsbericht, wie ihn sich große Unternehmen leisten müssen, kaum rechnen. Sie pflegen in aller Regel ohnehin einen sehr direkten und intensiven Kontakt zum lokalen Umfeld. Für sie sieht Wirtschaftsethiker Heinemann jedoch leistbare Alternativen: „Für kleine Betriebe würde es schon reichen, auf der Firmenwebsite einen Bereich Nachhaltigkeit einzurichten und darin einige Statements der Geschäftsführung zu veröffentlichen.“ Bereits diese einfache Maßnahme sensibilisiere nach innen die Mitarbeiter für Nachhaltigkeit und schaffe nach außen bei den Kunden mehr Vertrauen.

Erlaubt oder gebietet es die Größe des Unternehmens jedoch, einen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen, müssen einige wichtige Kriterien eingehalten werden. So wäre es völlig falsch, darin lediglich einen PR-Gag oder eine Imagekampagne zu sehen. Insofern sind viele Berichte internationaler Konzerne leider eher schlechte Ratgeber. Heinemann fordert vielmehr: „Für eine hohe Berichtsqualität sind meines Erachtens vor allem formale Kriterien, wie wir sie auch von Jahresabschlüssen bzw. Jahresberichten her kennen – Vollständigkeit, Wahrhaftigkeit, Klarheit und Verständlichkeit etc. – und inhaltliche Kriterien, wie die Abbildung aller wirklich relevanten Nachhaltigkeitsthemen aus dem Unternehmen, in einer angemessenen Gewichtung in den Blick zu nehmen.“

Substanzlose, unkritische oder sogar falsche Berichte sind hingegen nicht nur überflüssig, sie werden gerade in Zeiten des Internets auch schnell zum Rohrkrepierer. Ein Unternehmen, das sich im Bericht als sozial und ökologisch verantwortungsvoll darstellt, in der Realität aber anders handelt, riskiert einen für das Image verheerenden sogenannten „Shitstorm“ im Netz, der auch globale Konzerne erschüttern kann. Ein besonders drastisches Beispiel hierfür ist der Diesel-Skandal des Volkswagen-Konzerns vom November 2015, dessen negative Auswirkungen sogar weit über den Konzern hinaus das Image der Marke „Made in Germany“ zu beschädigen drohten.

Der methodische Ansatz

Basis heutiger Nachhaltigkeitsberichte ist der sogenannte Triple-Bottom-Line-Ansatz. Er wurde 1994 vom britischen Ökonomen und Buchautor John Elkington erstmals skizziert und 1997 in seinem Buch Cannibals with Forks zu einer Methodik ausformuliert.

Folgt dem „bottom line“ im klassischen Geschäftsbericht das Ergebnis der wirtschaftlichen GuV-Rechnung eines Unternehmens, so sollen nach den Vorstellungen Elkingtons im Nachhaltigkeitsbericht drei Bilanzen gezogen werden: jeweils eine für die ökonomischen, die sozialen und die ökologischen Aktivitäten eines Unternehmens. Erst dann sei das Wirken eines Unternehmens umfassend beschrieben und seine Zukunftsfähigkeit absehbar, so der Brite.

Dieser Denkansatz führt allerdings zu einem praktischen Problem: Folgt man ihm, müssen der quantitativen finanziellen Bilanz zwei qualitative, rechnerisch bislang schwer fassbare Werte beigestellt werden. Das bedeute nicht nur einen methodischen Bruch im Reporting, es öffne darüber hinaus subjektiven Wertungen der Unternehmenskennzahlen Tür und Tor, so die Kritiker.

Tendenziell gleichen sich Finanzkennzahlen und Nachhaltigkeitsdaten in Bezug auf Verlässlichkeit und Vergleichbarkeit allerdings einander an. Während Finanzkennzahlen – vor allem in global operierenden Konzernen – durch ständig komplexere Unternehmensstrukturen und einen wachsenden Anteil spekulativer Finanzprodukte in Unternehmensportfolios immer risikobehafteter und interpretationsanfälliger werden, gewinnen ökologische und soziale Kennzahlen durch Forschung und Verfeinerung der Kriterien ständig an Schärfe.

Leider als Trugschluss erwies sich – nach einer neueren Studie zweier Wissenschaftler der HHL Leipzig Graduate School of Management – die Hoffnung, Nachhaltigkeit bzw. CSR wirke sich positiv auf die Qualität der Finanzberichterstattung eines Unternehmens aus.

Konkreter Nutzen eines Nachhaltigkeitsberichts

Bisher noch unerwähnt, aber ganz wesentlich ist die Außenwirkung des Nachhaltigkeitsberichts als Kernmodul unternehmerischen Krisenmanagements. So lässt sich mit seiner Hilfe im Falle einer öffentlichen Kritik belegen, dass man ernsthaft und vorausschauend Schäden ökonomischer, sozialer und ökologischer Art so weit als möglich vorgebeugt und damit größere Schäden verhindert habe.

Ein wirtschaftlicher Vorteil der Krisenvorsorge liegt im besseren Rating durch die Banken. Das wiederum stärkt die Verhandlungsposition bei Kreditgebern und Investoren, wenn es um günstige Kreditkonditionen geht. Häufig steigt damit auch die Bereitschaft der Lieferanten zur Gewährung eines Lieferantenkredits.

Die Vertrauensbildung bei den Anteilseignern des Unternehmens – sofern vorhanden – zählt zur Innenwirkung. Ihr durch einen Nachhaltigkeitsbericht gestärktes Vertrauen steigert häufig ihre Bereitschaft, auch komplexere bzw. risikoreichere Projekte zu unterstützen.

Bei den Kunden des Unternehmens stärkt ein Nachhaltigkeitsbericht in der Regel die Kundentreue und Kaufbereitschaft. Zum einen sinken infolge dessen die Kosten für die Neukundenakquise, zum anderen steigen die Umsätze. Mitunter fühlen sich durch die öffentlich belegte Nachhaltigkeit sogar neue Kundengruppen angesprochen. Für die Vergabe von Aufträgen der Öffentlichen Hand ist heute schon in vielen Bereichen ein Nachhaltigkeitsnachweis des Auftragnehmers verbindlich vorgeschrieben.

Die Sensibilisierung für Nachhaltigkeit nach innen schlägt sich betriebswirtschaftlich gesehen in aller Regel in einem verantwortungsvolleren Umgang mit dem Firmeneigentum (Produktionswerkzeugen, Energie, Ausstattung) und den Rohstoffen bzw. Vorprodukten nieder. Beides senkt die Betriebskosten.

Gleich in mehrfacher Hinsicht kostensenkend wirkt sich der Nachhaltigkeitsbericht auf den Personalbereich aus: Gerade hoch qualifizierte Fachkräfte legen zunehmend Wert darauf, sich mit dem Arbeitgeber in gesellschaftlichen, sozialen und ökologischen Fragen identifizieren zu können. Der Nachhaltigkeitsbericht fördert eine solche Identifikation signifikant. Bereits im Unternehmen beschäftigte Fachkräfte werden dadurch stärker gebunden; die Fluktuation sinkt.

Die höhere Attraktivität als Arbeitgeber wirkt aber auch nach außen: So steigt nicht nur die Bereitschaft der Mitarbeiter, im Bekanntenkreis für das Unternehmen zu werben – der Bericht erhöht auch die Attraktivität des Unternehmens auf alle anderen potenziellen Bewerber im Arbeitsmarkt. Alle drei Faktoren zusammen senken vor allem in Zeiten des Fachkräftemangels die Kosten für die Personalakquise und Einarbeitung neuer Mitarbeiter deutlich.

Last, not least zwingt die Arbeit am Report das Unternehmen, sich mit den Strukturen und Aktivitäten im Berichtszeitraum zu befassen und Arbeitsabläufe, Ziele sowie Prioritäten neu zu justieren. Die Neuausrichtung kommt daher unmittelbar der Wettbewerbsfähigkeit und Marktfitness des Unternehmens zugute.

Die wichtigsten Adressaten des Berichts

Aus den Zielgruppen des Nachhaltigkeitsberichts ergeben sich dessen Inhalt, Form und Sprache, denn alle diese Wirkungen setzen natürlich voraus, dass der Bericht seine Leser nicht nur physisch, sondern auch emotional erreicht.

Für alle angesprochenen Rezipientengruppen gilt: Bei der Formulierung ist darauf zu achten, weder durch Euphemismen den Eindruck eines Werbetextes zu erwecken, noch durch übertriebene Fach- und Sachlichkeit das Verständnis und Interesse der Nicht-Fachleute unter den Rezipienten zu verspielen. Aber nun zu den Gruppen.

  • Investoren, Kreditgeber und Anteilseigner wollen im Nachhaltigkeitsbericht davon überzeugt werden, dass das Unternehmen langfristig erfolgreich sein wird, indem es gesellschaftliche Veränderungen berücksichtigt und so Konflikte mit politischen und gesellschaftlichen Trends vermeidet sowie vorausschauend teure Spätschäden sozialer und ökologischer Natur rechtzeitig verhindert.
  • Privatkunden sind vor allem an den ethischen Aussagen des Berichts interessiert.
  • Business-Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner wollen in aller Regel erfahren, ob das nachhaltige Verhalten des Unternehmens zu ihrem eigenen Image passt oder diesem eher schadet.
  • Eigenen Mitarbeitern und potenziellen Bewerbern erleichtert der Bericht – wie oben bereits erwähnt – die Identifikation mit dem Arbeitgeber.
  • Firmen mit öffentlichen Auftraggebern bedienen mit dem Nachhaltigkeitsbericht darüber hinaus Entscheider in Behörden und politische Akteure. In einigen Bereichen ist ein Beweis nachhaltiger Planung sogar eine Voraussetzung für die Auftragsvergabe, darunter für Aufträge der Öffentlichen Hand.
  • Im Falle einer öffentlichen Kritik am Unternehmen zählen Gewerkschaften, Natur- und Umweltschutzverbände sowie NGOs zu den aufmerksamen Lesern des Nachhaltigkeitsberichts.

Aufbau eines Nachhaltigkeitsberichts

Die einschlägige Literatur empfiehlt im Großen und Ganzen zwei unterschiedliche Gliederungsformen: zum einen eine an das Triple-Bottom-Line-Modell angelehnte Gliederung in die drei Kategorien Ökonomie, Ökologie und Soziales, zum anderen eine sogenannte integrierte Gliederung nach Kategorien, z.B. Projekte, Geschäftsfelder oder Bereiche.

Beide Gliederungsformen haben Vor- und Nachteile. So eignet sich die Einteilung nach Projekten und Zielen vor allem dazu, komplexe Wechselwirkungen und Synergieeffekte zu beschreiben sowie innovative Projekte herauszustellen – also eine „Nachhaltigkeitsmarke“ zu entwickeln.

Die dreigeteilte Gliederung nach dem Triple-Bottom-Line-Ansatz wiederum vereinfacht den Vergleich mit anderen Unternehmen und wird deshalb von Investoren und Banken bevorzugt. Mit der Vergleichbarkeit schwindet aber auch das individuelle Nachhaltigkeitsprofil des Unternehmens.

Gliederungsbeispiele

Triple-Bottom-Line-Gliederung

• Das Unternehmen
• Ökonomiebericht
• Umwelterklärung
• Sozialbericht

Integrierte Gliederung

• Vorstellung des Unternehmens
• Verantwortung für die Geschäftsentwicklung
• Verantwortung für die Kunden
• Verantwortung für die Mitarbeiter
• Verantwortung für die Gesellschaft
• Verantwortung für die lokale Umwelt

(Angelehnt an Beispiele in der PDF-Broschüre EMAS – von der Umwelterklärung zum Nachhaltigkeitsbericht des Umweltbundesamts).

 

Darüber hinaus kann der Bericht um weitere Elemente angereichert werden, z.B. um Zitate aus Kundenzuschriften oder Statements von Geschäftspartnern sowie um Pressezitate.

Eventuell sind auch örtliche Politiker und Funktionsträger auf Anfrage bereit, das nachhaltige Wirken des Unternehmens mit einem Beitrag für den Bericht zu honorieren. Allerdings dürfen diese Beiträge nicht „gekauft“ werden – weder direkt mit Geld noch indirekt durch Vergünstigungen, sonst ist der PR-GAU vorprogrammiert.

Anderes gilt, wenn ein Gutachter im Rahmen eines Nachhaltigkeitsberichts mit einer offiziellen Expertise beauftragt wird. Dass für ein solches Gutachten Honorar gezahlt wird, ist selbstverständlich. Ob sich diese Kosten lohnen, untersuchten 2005 die beiden IÖW-Wissenschaftler Jens Clausen und Thomas Loew in ihrer Studie Mehr Glaubwürdigkeit durch Testate?.

Der Umfang des Berichts sollte einerseits der Unternehmensgröße und -aktivität angemessen sein, andererseits die potenziellen Leser (s. o.) nicht überfordern. Für mittelständische Unternehmen reicht in aller Regel ein Dutzend Seiten zur knappen, präzisen und verständlichen Beschreibung der wesentlichen Fakten.

Wer hilft beim Nachhaltigkeitsbericht?

Oft ist das „Wie“ für kleine und mittlere Betriebe die größte Hürde auf dem Weg zum eigenen Nachhaltigkeitsbericht. Dabei sind Hilfsangebote durchaus vorhanden. So werden von Hochschulen immer wieder Nachhaltigkeitsseminare für Unternehmer angeboten. Allerdings scheuen sich noch immer viele Mittelständler vor dem Kontakt mit den akademischen Helfern, bedauert Experte und Hochschullehrer Heinemann.

Mit weniger Berührungsängsten sehen sich beim Thema Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeitsbericht Unternehmensberater, aber auch Institute und Vereine – darunter das renommierte Öko-Institut und der TÜV Rheinland – konfrontiert. Auch Industrie- und Handelskammern offerieren entsprechende Beratungsmöglichkeiten.

Für mittelständische Unternehmen existiert außerdem eine ganze Reihe – teils sogar kostenloser – Broschüren, in denen sowohl der Zweck, Nutzen, Aufbau und Inhalt als auch die optische und stilistische Gestaltung von Nachhaltigkeitsberichten beschrieben werden (siehe Link-Liste am Ende des Beitrags ).

Fazit

  • Der Nachhaltigkeitsbericht taugt sowohl zur Imageförderung als auch zur Kostensenkung in mehreren Unternehmensbereichen und von Finanzierungen. Darüber hinaus ist er ein wichtiger Bestandteil eines Krisenmanagements.
  • Der Bericht darf weder Werbebroschüre noch Fachbericht sein, sondern muss knapp, realistisch und allgemeinverständlich über die ökologischen, ökonomischen und sozialen Aktivitäten des Unternehmens Auskunft geben.
  • Der Aufwand für einen Bericht richtet sich nach der Unternehmensgröße. Für kleine Betriebe bietet das Internet weniger aufwendige Alternativen.
  • Die Kosten des Berichts amortisieren sich in aller Regel über die mit ihm erzielten Einsparungen.

Autor: Michael J. M. Lang

(Hinweis: Der Beitrag ist eine Zusammenstellung zweier aufeinander aufbauender Beiträge im MittelstandWiki.de und in der Zeitschrift Betriebswirtschaft im Blickpunkt des IWW Instituts)

 

Weiterführende Literatur

Ratgeber und Leitfäden

Studien und Berichte