Freier Eintritt in Londons Museen – ein Vorbild?

Seit 2001 ist der Eintritt in viele der größten Museen Englands kostenlos, darunter der Besuch in der National Gallery, der Tate Modern und im British Museum. Knicken die Museen vor dem geilen Geiz ein? Keineswegs sagen die Leiter der Kulturtempel. Vielmehr gewähre man den Bürgern nur, was sie ohnehin bereits mit ihren Steuergeldern finanziert haben. Die Eintrittsgelder seien immer schon lediglich ein Zubrot für die Kulturtempel gewesen.

Im Vordergrund, so die recht einhellige Meinung der Museumsleiter, stünden der Kulturauftrag und das Ziel, möglichst vielen Menschen Zugang zu kulturellen Gütern zu verschaffen. Ein Eintrittspreis behindere das aber gerade bei jenen gesellschaftlichen Gruppen, die vom Zugang am meisten profitieren könnten: kinderreiche Familien, Menschen mit schlechter Ausbildung und Studenten ohne Einkommen.

Szenenfoto aus ZDF-Doku

Die Dokumentation „London als Vorreiter: Kunst für ‚lau'“des ZDF belegt: Die Briten sind glücklich über freien Eintritt in ihre Vorzeigemuseen. (© Zweites Deutsches Fernsehen, Mediathek)

Und in der Tat, die Zahlen scheinen das zu belegen. Die Dokumentation London als Vorreiter: Kunst für „lau“ des ZDF berichtete Mitte Juli 2014 über die Auswirkungen des freien Eintritts. Demnach wissen die Briten das Angebot zu schätzen und nutzen es fleißig. Die Besucherzahlen der Museen sind deutlich gestiegen. Vor allem die Zunahme junger Familien mit mehreren Kindern und Menschen mit geringerer Bildung unter den Besuchern deutet darauf hin, dass der Eintritt zumindest für diese Bevölkerungsgruppen früher ein finanzielles Hindernis darstellte. Aber auch Jugendliche scheinen – und sei es erst einmal aus Langeweile – die Museen zu entdecken. Nun beginnen deutsche Museumsleiter darüber nachzudenken, ob das britische Modell ein Vorbild auch für sie sein könnte.

So verlockend eine solche Vorstellung für mich als Fan von Museen auch ist – eine Rundumalimentierung solcher Einrichtungen durch den Staat birgt ein großes Risiko: Sobald Museen sich keine Gedanken mehr um ihre Einnahmen durch Besucher machen müssen, entfällt jede objektive Motivation, die Attraktivität aufrechtzuerhalten. Dann schützt nur noch das subjektive, persönliche Engagement der Museumsleiter vor einem Stillstand der Museen. Dieses Engagement ist zwar bei den meisten vorhanden, aber eventuell nicht bei jedem und jederzeit.

Eine Lösung wäre allerdings vorstellbar, die einerseits finanziell schlechter Gestellten die Besuche erleichtern und andererseits die Demotivation der Museumsleitungen durch eine Komplettförderung aus Steuergeldern verhindern könnte: Ein Teil der Steuergelder für die Museen müsste an die Besucherzahl gekoppelt werden. So könnte jeder Besuch mit einem fixen Förderbetrag verknüpft werden, der die Museen auch weiterhin motiviert bzw. zwingt, möglichst viele Besucher anzuziehen. Einen Versuch wäre es zumindest wert. (ml)

London-Besuchern bieten u. a. folgende Museen täglich freien Eintritt:

  • British Museum
  • Imperial War Museum
  • Marine Museum
  • Museum of London
  • National Gallery
  • National Maritime Museum
  • Natural History Museum
  • Royal Air Force Museum
  • Royal Observatory
  • Science Museum
  • Sir John Soane’s Museum
  • Tate Modern
  • Victoria & Albert Museum

One thought on “Freier Eintritt in Londons Museen – ein Vorbild?”

  1. Ich bin Fan und Nutznießer der London-Regelung, wozu ich auch das regelmäßige Öffnen in den Abendstunden zählen möchte. Abgesehen davon gibt es, beispielsweise bei der erwähnten Tate Modern, immer wieder aufwändige Sonderausstellungen, die Eintritt kosten.

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